IM RADNETZ DEUTSCHLANDS – Radwege

Die schöne Seite der Medaille

Im Frühjahr erwachen Natur und Mensch gleichermaßen. Endlich beginnt wieder die Zeit, das Gesicht der Sonne zuzuwenden und den Alltag vermehrt draußen zu verbringen.

Wir müssen dringend auftanken, seit Corona umso mehr. So einen Winter wie Ende 2020/Anfang 2021 erlebt man nicht gerne, doch wir haben etwas daraus gelernt: Berichten zufolge soll es Jahre dauern, ehe Corona uns nicht mehr beschäftigen wird, als ein lästiger Schnupfen. Was schwerlich akzeptiert werden kann, ist Fakt. Also: es dauert noch. Länger als anfangs vermutet.

Was uns bleibt, ist, uns darauf einzustellen, und damit ist keinesfalls gemeint, den Kopf in den Sand zu stecken und regungslos abzuwarten, bis sich die heißgeliebte Normalität von einst wieder einstellt. Die Akzeptanz des Ist-Zustandes erleichtert uns den Blick nach vorne und eröffnet uns damit, endlich wieder die Möglichkeiten zu sehen, und unsere individuellen Chancen. Wir schlagen vor, etwas wirklich Gutes aus jeder Zeit zu machen. Deine Optionen sind dabei bunt wie ein Blumenstrauß, also greife dir heraus, was am besten zu dir passt!

Ein kleiner Umweg zum Radweg …

Natur hilft immer!

Ein Blick ins Grüne ist nicht nur stets erlaubt, sondern befriedet unseren nervösen Geist. Das beste Gegengewicht bezüglich der Folgen unserer Schnelllebigkeit und erfolgsorientierten Leistungsgesellschaft.

Ist es natürlich, immer Höchstleistungen zu vollbringen? Nein, aber es wird erwartet, ganz gleich unserer Beschaffenheit. Den Spagat zwischen dem Erfüllen unserer Bedürfnisse und dem Anspruch, im Berufsleben vorne mitzulaufen, unterstützt eine gesunde Lebensweise ungemein. Nur so können wir durchhalten, ohne unsere Gesundheit ernsthaft aufs Spiel zu setzen. Dahingehend sollten wir uns dennoch nie davor scheuen, genau diese Angelegenheit zu reflektieren, sprich unseren individuellen Rundum-Status gelegentlich zu überprüfen.

Wenn wir von MHW empfehlen: Ab in die Natur!… dann meinen wir damit weit mehr, als lediglich die Sehnsucht nach Entspannung zu befriedigen: Draußen-Sein hilft Rastlosen durchzuatmen und Gedanken zu sortieren. Und die Natur ist fair: Es spielt keine Rolle, ob wir uns allein oder mit unserer Familie im Grünen aufhalten. Sie bietet ausnahmslos jedem den vollen Genuss.

Völlig konträr dazu steht das Auto, das übrigens stetig unpopulärer wird. Wir erkennen den sich wandelnden Blick der letzten Jahre deutlich und begrüßen ihn. Inzwischen sind die Assoziationen bezüglich unserer Kraftfahrzeuge überwiegend negativ. Autos beschwören vielmehr vernichtende Bilder hervor: beispielsweise smogverhangene Skylines und stockende Blechkolonnen, die alles um sich herum nicht nur mit Gestank, sondern auch mit Lärm verschmutzen, mal ganz zu schweigen vom unnötigen Verlust vieler Stunden. Von horrenden Kraftstoffpreisen sowie anderen Unkosten wollen wir gar nicht erst anfangen. Wir sehen auch nicht gerne überfahrene Eichhörnchen auf dem Asphalt – oder Katzen, Igel, Füchse … Dem Verständnis eines modernen Lebens läuft das Thema Autofahren zunehmend entgegen.

Was ist außerdem als negativ zu bewerten?

Was kaum einer weiß: Die Schadstoffbelastung im Auto übersteigt die der Außenluft! Der Ruß an Gebäuden zerstört deren Oberfläche, auch die Abnutzung der Straßen ist wesentlich höher, als mit dem Fahrrad. Stickoxide und Kohlenwasserstoff, ja die Luftverschmutzung insgesamt, macht die Städte unattraktiv. Das Auto steht dem »grünen und sportlichen Tourismus« im Wege.

Aus ökologischer Sicht ist die Sache klar. Zusätzlich spielen demokratische Werte eine Rolle. Beispielsweise fördern wir die Selbstständigkeit von Jung und Alt mit dem Fahrrad und dem einfachen Erreichen diverser Ziele. Dafür sind gut ausgebaute Radnetze unverzichtbar! Politisch können wir uns von Energiequellen unabhängiger machen, indem wir schlicht weniger Energie verbrauchen. Fortbewegung mit dem Fahrrad bedeutet einen verbesserten Verkehrsfluss, mehr Platz und weniger Lärm. Dicke Pluspunkte für jeden Wohnort! Wir sehen also, Radwege sind direkt mit all diesen Punkten verbunden. Denn ohne optimierte Radnetze, wird die mustergültige Art der Fortbewegung mit all ihren Vorzügen verhindert.

Ein Umdenken hat vielerorts längst stattgefunden. 82% der Europäer stellen Umweltfragen ganz oben ins Meinungsregal, doch etwas meinen allein genügt nicht. Wir müssen handeln und wir können das Ruder erst herumreißen, wenn wir Kommunen, Behörden und Politiker an unserer Seite wissen, die die großen Aufgaben übernehmen – wie das Anpassen der Infrastruktur. Der Kleinkrieg, der zwischen Autofahrern, Fußgängern und Bikern bisweilen entbrennt, ist schließlich mehr den Gegebenheiten geschuldet als dem Charakter der Einzelnen. Hier fehlen erheblich viele Verbesserungen in puncto Infrastruktur und Sicherheit.

Freizeit und die Suche nach dem perfekten Ziel

In Windeseile haben wir unser Fahrrad aus der Garage geholt und uns auf den Sattel geschwungen. Da gibt es nur ein winziges Problem: Wohin soll es gehen? Wer nicht gerade frühmorgens täglich zu Arbeit radelt, sondern sich auch in seiner Freizeit gerne in den Sattel schwingt, steht nicht selten vor dieser Frage, denn das Thema Radwege wurde lange stiefmütterlich behandelt. Immerhin erkennen wir inzwischen Fortschritte, und genau darauf wollen wir eingehen.

Was passiert derzeit in Deutschland und ganz konkret in unserer direkten Umgebung? Was machen wir, wenn wir nicht erst ins Auto steigen wollen, um eine der zwanzig schönsten deutschen Strecken befahren zu können … wenn wir direkt vor unserer Haustür starten wollen? Generell mag man vielleicht annehmen, nur wer stundenlang ausgiebig nach einer tollen Strecke sucht, kann sich anschließend auch entspannt aufs Rad schwingen. Stimmt das oder bezeichnet das eher den Zustand von anno dazumal? Was hat sich eigentlich im Laufe der letzten Jahre verändert und auf was können wir uns noch freuen?

Beginnen wir mal mit Deutschland

Wir Deutschen stehen auf gepflegte Rundwege. Das Fahren am Fahrbahnrand einer vielbefahrenen (Land-) Straße ist uns zuwider, ja niemals wollen wir das unseren Kindern zumuten, die ungewollt Schlangenlinien fahren oder einfach mal kehrt machen, weil sie uns breit grinsend zeigen wollen, wie viele Mücken sie unfreiwillig mit ihren Schneidezähnen aufgefangen haben …

Wir erwarten idyllische Radwege, die uns Deutschlands schönste Seiten zeigen. Bäche, Seen, weite Felder rechts und links, blühende Alleen, saftige Wiesen und duftende Wälder, Schlösser und Burgen, mit Haltestellen vor den Aushängeschildern der deutschen Esskultur. Nicht kleckern, sondern klotzen! Ein gepflegtes, kühles Radler nach der absolvierten Tour lässt Frauen wie Männern das Herz höherschlagen. Erst mit einem gefüllten Magen und einem anständig gelöschten Durst, ist so eine Tour dann wirklich perfekt gewesen. Und hat man Sprösslinge im Gepäck, dann sollte bei der entspannten Vesperpause wenigstens ein Spielplatz vorhanden sein, denn im Gegensatz zu uns sind die Kleinen immer noch fit wie Turnschuhe.

Über was man beim Recherchieren zum Thema »Radfahrer-Land Deutschland« staunen kann, ist der Hinweis, dass unsere Radnetze besser ausgebaut sind, als in jedem anderen europäischen Land. Hättest Du das gedacht? Gerade wenn man durch die eigene Stadt radelt, kann man das entweder bejahen oder man schüttelt vehement den Kopf. Was zeigen denn die Erfahrungsberichte? Zoomt man nahe ran und prüft diese Angabe auf Herz und Nieren, wird man feststellen, dass noch einiges im Argen liegt. Zu viel! Der ADAC hat eine ernüchternde Meinung zu der Beurteilung des deutschen Radwegstatus. Dieser meint, uns stünde lediglich Mittelmaß zur Verfügung. Die wenigen sehr guten Strecken verschwinden unter der Flut der schlechten.

Wenn man bedenkt, dass viele Radwege voraussetzen, häufiger mal um Mülltonnen zu fahren, sich durch enge Passagen zu zwängen, parkenden Autos auszuweichen oder sich den Weg mit Fußgängern zu teilen, kann das kaum zum Optimum gehören, und dennoch laufen wir anderen Ländern den Rang ab. Daran erkennt man deutlich, dass den Radlern viel zu lange unterirdisch wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Doch man soll die Hoffnung nicht aufgeben, immerhin richtet sich das Augenmerk deutschlandweit auf deutliche Verbesserungen. Individuelle Maßnahmen zu treffen und ganz gezielt dort zu verbessern, wo es dringend nötig ist, zählt nicht länger zu den Utopien der einzelnen Gemeinden. Vielmehr dürfen wir beobachten, wie langsame, aber stetige Fortschritte erfolgen.

Wohin möchtest du?

Sicher lohnt es sich, in einem der 105 deutschen Naturparks seine Radtour zu starten, auch wenn dabei meist lange Anfahrtswege zu bewältigen sind. Doch wenn alle Radelhungrigen zur gleichen Zeit typische Ziele wie den Chiemsee oder Baldeneysee ansteuern, kann es auf den Radwegen ganz schön eng werden. Hinterher fühlt man sich womöglich erst wirklich urlaubsreif. Und wenn man verhindern kann, den Zweck zu verfehlen, dann tun wir das doch einfach.

Wunderschöne Standart-Ziele ausfindig zu machen, ist wirklich ein Leichtes und nicht unser Anliegen, außerdem gelten diese »besten Strecken« als »relativ schwer«, weshalb der Nachwuchs bei seinem Anspruch auf Spaß außen vor bleibt. Ein Grund mehr, sich nach besseren Lösungen umzusehen. Wir brauchen keine Superlative zur Hochsaison. Rücken wir vom Besten, Schönsten und Tollsten etwas ab – sollen sich dort andere um die Seen drängen –, und zoomen wir ganz nah an deine Fragen heran.

Los geht’s!

Was wir euch von vornherein ans Herz legen wollen, ist der Blick auf die Internetseite des ADFC. Außerdem bietet auch der ADAC Unterstützung bei deiner Suche. Allerdings kostet es zumindest beim ADAC etwas, wenn man sich Apps wie den Fahrrad Tourenplaner oder den Wanderführer gönnt. Auch für die angepriesenen Fahrradkarten, die über folgenden Link www.adac-shop.de/reiseliteratur/fahrradkarten zu erstehen sind, muss man etwas berappen. Wir behaupten ja, dass es sich lohnt, aber dafür Geld ausgeben möchte nicht jeder. Daher schenken wir dir hier noch ein paar Gratis-Tipps …

Wo soll ich suchen?

Wer bei seiner Suche kein Geld ausgeben möchte, wird von den Angeboten im Internet beinahe erschlagen. Bei unseren Recherchen sind wir jedoch vornehmlich auf wirklich hilfreiche Seiten gestoßen.

Ans Herz legen können wir dir die Serviceseite des ADFC. Über folgenden Link wirst du zu Qualitätsrouten geführt: www.adfc-radtourismus.de/

Geprüft vom ADFC und herrlich simpel bedienbar. Wähle einfach dein Bundesland und deine Wunschregion, wähle den Trail, zum Beispiel die Familienroute, eine Themenroute oder Mountainbiking, entscheide dich dann noch zwischen der Routenlänge sowie dem Routentyp, außerdem kannst du die Wunscheigenschaften der Strecke festlegen. Im Anschluss freust du dich bestimmt darüber, was der Planer für dich ausspuckt. Eine wirklich sehr komfortable Geschichte, die dich innerhalb weniger Sekunden dein Ziel finden lässt. Wer Kinder mitnehmen möchte, wird weniger Auswahl haben, doch dafür sind sämtliche angegebene Ziele ausnahmslos perfekt, sprich: qualitativ erste Sahne. Wem das nichts nützt, kann schlichtweg selbst surfen. Suchdienste spucken genug aus, wenn man »Radwege« und dazu seine Umgebung oder das Bundesland eingibt – je nachdem, wie weit das Ziel entfernt sein darf.

Wir empfehlen darüber hinaus – gerade wenn man auf Seiten unterwegs ist, die schlichtweg alle Routen benennen, ohne auf deren Qualität einzugehen -, zusätzlich nach Erfahrungswerten zur gewählten Strecke zu googeln, damit es kein böses Erwachen gibt. Unserer Erfahrung nach, lässt der obengenannte Link zu der ADFC-Streckenwahl keine Wünsche offen. Damit bist du auf der sicheren Seite. Oder wie wäre es mit einem Forum, wo sich der geneigte Radler mit anderen austauschen kann? Beispielsweise gelingt dir das auf Radforum.de Wer dort den Suchbegriff »Radwege« eingibt, wird schnell feststellen, dass dies ein Aufreger-Thema darstellt. Die Frustration scheint allgemein sehr hoch zu sein, was insbesondere innerstädtische Radwege betrifft.

Obacht!

10 000 Gefahrenstellen wurden innerhalb Deutschlands von den Radfahrern selbst über den ADAC markiert. Fehlende oder mangelhafte Strecken zählen ebenso dazu wie gefährliche Kreuzungen. 2019 waren 460 verunglückte Radfahrer zu beklagen. Bisweilen erinnern dauerparkende „Geisterfahrräder“ an sie – Denkmäler, die uns Unfälle und deren Tote nicht vergessen lassen. Der Trend zeichnet jedoch seit letztem Jahr glücklicherweise wieder ein versöhnliches Bild. Die Zahl der Verunglückten sinkt wieder und wir hoffen sehr, dass diese Entwicklung unbedingt mittels sicherer Infrastrukturen unterstützt wird. Hohe Bußgelder verhindern manchmal immerhin das Parken auf Radwegen, trotzdem geschieht das Falsche zu häufig. Die offensichtliche Gefährdung der Radfahrer scheint mancherorts schlichtweg hingenommen zu werden. Manchmal mag der Verkehrsminister mit einem Helm vorm Präsidium für Fotos posieren, doch das allein nützt wenig.

Keine Zeit für Pessimismus!

Wenn man bedenkt, was sich all die Jahre verändert hat, können wir aufatmen! Einst wurden Fahrradfahrer belächelt, dann bemitleidet, doch es hat sich gezeigt, worauf es wirklich ankommt. Nämlich auf Durchhaltevermögen und Umsicht. Fahrradfahrer sind zu beneiden und zu beachten. Sie gehören zu einer Zukunftsbewegung, die ausschließlich nach vorne strebt und Vorbildcharakter genießt, und zwar auf sämtlichen Ebenen.

Ein vielversprechender Blick in die Zukunft:

45 Millionen Euro stehen nicht nur zur Verfügung, sondern sind direkt für den Ausbau des deutschen Radnetzes geplant – dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sei Dank! Diese Summe liegt bis 2023 bereit, und damit kann man doch etwas anfangen, oder? Ganz konkret bedeutet das eine Optimierung regionaler Strecken für den Tourismus, was auch die Qualität insgesamt mit einschließt, die nun entsprechend der Qualitätskriterien des ADFC angepasst werden soll. Die Beschilderungen sollen verbessert werden, und über Klarheit freuen wir uns doch immer. Zusätzlich werden künftig die Radstätten und Radstellablagen verbessert sowie die Ausweitung von Verleihsystemen und Ladestationen.

Doch damit nicht genug. Eine optimierte Digitalisierung soll genau da helfen, wo manch einer bisher scheiterte. Das bedeutet, dass sich niemand mehr vor Radroutenplanern fürchten muss. So ein RRP-D soll nicht verwirren, sondern schnell helfen. Zudem werden die Radnetze optimiert, damit bestenfalls vor jeder Haustür ein Tour-Start mit dem Fahrrad möglich ist, ohne dabei angehupt und von der Straße gedrängt zu werden. Abgase wollen wir beim Freizeit-Radeln bestimmt nicht inhalieren und freuen uns daher sehr über die Ankündigungen. Sämtliche Mängel sollen zunehmend der Geschichte angehören. Und was erkennen wir daraus? Na, den Trend! Der spricht ganz klar für den Anstieg der radelnden Verkehrsteilnehmer!

Seit 2002 steigt die Zunahme der Radfahrer signifikant an, was unter anderem auch an den zunehmenden Varianten liegt: Lastenräder, E-Bikes, Pedelecs … da ist inzwischen für jeden was dabei. Der Boom bleibt, und wir von MHW freuen uns über eines der schnellsten Trend-Pferde auf der Laufbahn, denn wir haben schon immer darauf vertraut, dass Fahrradfahren keineswegs eine bloße Modeerscheinung sein, sondern dieses Siegesross umfassend schneller werden würde. Voila, wir hatten recht! Nun fehlen uns noch verlässliche Informationen, einheitliche (Infra-)Strukturen, verlässliche Zuständigkeiten und für alle Akteure notwendige Zuarbeiter. Eigentlich ganz überschaubar. Das könnte doch zu schaffen sein, oder?

Sitzen, sechs! Oder: Glücklich sind die Kieler!

Wer in Kiel wohnt, will Fahrradfahren. Dort machen die Behörden alles richtig. Hannover und Mainz bekommen ein Mangelhaft, nur ein Ausreichend bekamen Bremen, Dresden, Erfurt, München, Saarbrücken und Stuttgart aufs nachlässige Auge gedrückt. Womöglich sind an schlechten Bewertungen auch die sogenannten Pop-up-Radwege schuld? Noch nie gehört? Wer ihnen noch nicht begegnen musste, ist ohnehin sicher besser dran, denn diese wurden aufgrund des plötzlichen Anstiegs von Radfahrern – wegen Corona – plötzlich und meist recht unüberlegt aus den Böden gestampft. Oft nur in Form von aufgesprühten Farb-Bikes am Rand der Fahrbahn, in Verbindung mit einem dünnen Strich, der wohl die Breite des Radwegs zeigen soll. Zum Teil, und viel besser, kombiniert mit spontan aufgestellten Schildern…zumindest besser erkennbar für die Autofahrer.

Pop-ups kennt man ja. Diese meist nervigen Werbeanzeigen tauchen plötzlich auf, wenn man neue Internetseiten aufschlägt. Der Unterschied ist nur, dass ein Pop-up im Internet selten Gefahr bedeutet, während gleichnamige Radwege im Straßenverkehr mit Vorsicht zu genießen sind. Wenn solche Wege längerfristig bestehen sollen, werden die zunächst gelb markierten Strecken endlich sicher gemacht und entsprechend ausgebaut. Es sind Dank dem Virus übrigens auch Pop-up Radwege entstanden, die den Radlern so gut gefielen, dass sie für deren Erhalt demonstrierten. In einigen Fällen, beispielsweise in Berlin, wurden dennoch aufgrund gerichtlicher Entscheide die plötzlich entstandenen Wege wieder entfernt. Der Grund dafür waren die „ernstlichen Zweifel an der Rechtmäßigkeit.“ Auch hier erkennt man wieder das zweischneidige Schwert.

Es gibt eben immer viele Seiten, die es zu beleuchten gilt, und die diversen Fälle sind zu individuell, als dass man alle über einen Kamm scheren dürfte. Letztlich muss jeder von uns zum Entdecker werden, falls er nicht schon voll im Bilde über die Verkehrssituation innerhalb seiner Gegend ist. Oder man interviewt Freunde, die sich gut auskennen. Dennoch verlangt der Wandel seit 2002 ohnehin, den eigenen Kenntnisstand gelegentlich zu aktualisieren. Pop-up Radwege – oder auch Corona-Radwege genannt – haben uns, last but not least, eines gezeigt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Pop-up Radweg! Diese sahen viele als vorgezogene Projekte, zukunftsträchtige Behelfsmöglichkeiten sozusagen, die gezeigt haben, wie schnell man den Radfahrern mehr Beachtung und Platz einräumen kann. Hoffen wir also auf mehr Willenskraft!

Lange Touren – So, nun soll es konkret werden …

Gehörst du auch zu denen, die es kaum erwarten können, im kommenden Sommer bezaubernde Idyllen zu bestaunen oder mit deinem Rennrad stundenlang zu touren? Corona hin oder her: Fahrradtouren bleiben die perfekte Alternative zum Auslandsurlaub. Mit seinem Drahtesel durch Deutschlands Landschaftsperlen zu tingeln mag sogar weit eindrucksvoller sein, als sich am Strand von der Sonne braten zu lassen. Also warum sich nicht für dieses Jahr vornehmen, den Urlaub mal ganz anders zu verbringen; vielleicht als Einstieg für ein gesundheitsbewusstes Freizeitverhalten?, um nur eine Option von vielen zu nennen. Biken macht Freude und fit.

7000 Kilometer verbinden deutschlandweit rund 700 Kommunen. Dabei sollte die Sicherheit im Vordergrund stehen. Je nach Bundesland kannst du ganz easy deinen Link zum Radeltourglück finden: Baden Württemberg behauptet zu wissen, worauf es ankommt. Pflücken wir uns dieses Bundesland mal heraus, um damit Punkte zu beleuchten, die gleichsam auch auf andere Bundesländer umzumünzen sind … BW sagt, es brauche eine durchgängige und leicht verständliche Infrastruktur. Mit solcherlei Vorstellungen werden Flyer gefüllt und der geneigte Leser darauf hingelupft, dass BW genau diesen Vorstellungen gerecht wird.

Können wir in BW also sorgenfrei unserer Radellust frönen? Ein Bericht des ADAC vom Oktober 2020 beschreibt vielmehr eine kritische Sicht auf den Stand der Dinge. Mit dieser Beurteilung erhält Stuttgart, wie bereits erwähnt, gerade einmal die Note 4. Der ADAC prüfte die Lage in fünf Landeshauptstädten, und wir wissen alle, dass oftmals die repräsentativen Städte privilegiert sind. Also wenn es da hapert, dann in den abgelegenen Örtchen doch umso mehr, oder? Schauen wir mal, was uns der ADAC verrät. Zum Beispiel sind die Radwege oft zu schmal. Zwei Meter Breite sollten es schon sein, doch davon sind die meisten Wege mind. 40 Zentimeter entfernt. Schade.

120 Stichproben teilen sich Urteile zwischen gut und mangelhaft. Zugutehalte kann man sämtlichen Verantwortlichen, dass das Urteil »gut« insgesamt am häufigsten auftrat. Dennoch muss man anmerken: das Ausprobieren einer neuen Route gleicht häufig noch einem Glücksspiel. Um nicht allzu kritisch zu sein, können wir inzwischen jedoch recht optimistisch unser Glück herausfordern. Als Familienvater oder -mutter ist es auf jeden Fall sinnvoll, eine neue Strecke erst einmal selbst auszutesten, ehe man sich mit Kind und Kegel ins Vergnügen stürzt. Und hat man das getan und die neue Strecke für gut befunden, kann mit Helm, einem kleinen Erste-Hilfe-Set und Schloss nichts mehr schiefgehen.

Vorsicht Langfinger!

Wer lange Touren fährt, macht viele Pausen. Fahrraddiebe sind überall. Daher empfehlen wir unbedingt gute Schlösser. Bei uns in der Telefonzentrale häufen sich die Anfragen nach von Kunden verlegten Rahmennummern, die der Polizei alle Daten zur Verfügung stellen wollen, damit diese den gestohlenen Drahtesel ausfindig machen können. Spare nicht beim Schloss, mache es Fahrraddieben so schwer wie möglich und ärgere dich nicht über die Minuten, die du zum an- und aufschließen benötigst. Wer geht sich schon gerne ein Eis holen, wenn er insgeheim befürchten muss, in der Zwischenzeit könne ihm sein Bike abhanden kommen?

Im Sommer 2020 haben wir außerdem häufig von Stürzen gehört, gerade auf den typischen Tourenzielen schlechthin, wie dem Chiemsee etc. Dort herrschte enormer Radler-Andrang. Also bitte die Helme und ein kleines Erste-Hilfe-Set nicht vergessen! Oft kreuzen auch Reiter und Wanderer den Weg, von daher sollten präventive Sicherheitsmaßnahmen und eine vorige Wartung deines Bikes immer ganz oben auf der Checkliste stehen.

MHW Bike House im schönen Schwäbisch Hall – Aus dem Nähkästchen geplaudert

Wir von MHW freuen uns über die Zusicherung des Landes. Die Radnetze im Haller Raum sind sozusagen offiziell »investitionswürdig«. Und seit Corona die Urlaubszeiten auf die nähere Umgebung beschränkt, sollte endlich umso mehr dahinein investiert werden.

Deutschland ist schön genug, um sich auch hier zu erholen, und mal ehrlich: Wenn Flugangst, viele Koffer und vorsorgliche Impfungen wegfallen, inklusive Durchfallerkrankungen und anderen Auslandsreise-Problemchen, dann bekommt das heimische Urlaubsziel doch gleich noch ein paar Pluspunkte obendrauf. Es ist also nach wie vor genug Erholung für alle da. Vielleicht genießen wir die Chancen, endlich mal mehr schmucke Stellen unserer näheren Umgebung kennenzulernen? Nutzen wir Geheimtipps. Oder wie wäre eine geplante GPS-Tour mit kleiner Schatzsuche? Schließlich ist das Woldwideweb ja nicht vom Virus betroffen. Wir können damit leicht technische Raffinessen mit Erlebnissen in der Natur verbinden – der Geheimtipp schlechthin für Eltern. Machen wir unsere Stubenfliegen zu Entdeckern! Und: Wenn unserem »Pubertier« nicht mal mehr mit GPS-Schatztouren Begeisterung zu entlocken ist, könnte der Gang zur Medien-Sucht-Beratung wirklich angebracht sein…

Wir von MHW aus Schwäbisch Hall haben mal nachgeschaut, was unsere Stadt so anbietet. Als Beispiel für unsere Region konnten wir die Website www.radfahren-bw.de/hohenlohe-schwaebisch-hall/ finden. Ein genauer Blick zeigt eine ansprechende Übersichtlichkeit, lockende Bebilderung inklusive einer einfachen Bedienbarkeit. Relevante Details zu jeder Strecke sind aufschlussreich genug, außerdem kann jede Strecke auch bewertet werden. Und die Erfahrungen anderer zu lesen, ist häufig Gold wert, um fündig zu werden.

Die Unterteilung der Seite macht Lust auf mehr, lädt ein zum Stöbern. Dabei fehlt glücklicherweise das Zuviel an Eindrücken. Ein weiterer Pluspunkt, schließlich möchte man nur so viel Zeit wie nötig mit der Routenplanung verbringen. Begeisternd ist, dort auch den Reiter »Urlaubsplanung« genauer unter die Lupe zu nehmen. So können wir uns gleich noch nach fahrradfreundlichen Unterkünften, Rad-Service-Stationen und Pauschalangeboten nebst geführten Radrouten erkundigen. Wir behaupten, unsere Stadt bzw.die Touristikgemeinschaft Heilbronner Land e.V. hat mit dieser Seite alles richtig gemacht. Und wir können dir versichern, auch für deine Stadt eine ähnliche Seite zu finden.

Unterm Strich

Unser Fazit. Ein umfangreiches und optimistisch stimmendes Bild stellt sich bezüglich nahezu aller Bundesländer dar: Innerorts gestaltet sich das Fahrradfahren meist durchwachsen und häufig auch als nicht ungefährlich. Da gibt es noch viel Luft nach oben. Wir trösten uns damit, dass Pläne zu Verbesserungen deutschlandweit in Angriff genommen werden und freuen uns auf die Zeit, in der der ADFC und ADAC verkünden, dass die »sehr guten Strecken« längst die schlechten übertreffen.

Radstrecken zum Füllen eines oder mehrerer Urlaubstage, die durch Idyllen führen, sind überall zu finden. Wir empfehlen während der Hochsaison jedoch, nicht unbedingt die beliebtesten Strecken Deutschlands anzupeilen. Das erhöht die Chance, ohne Gedränge seine Tour genießen zu können. Dabei gibt es unzählige und viele praktische Möglichkeiten, »seine Tour« zu finden, individuell deiner Bedürfnisse.

Und wer sich unbedingt am Allerbesten festhalten will: »Schöne Radwege.de« verlinkt dich direkt zu den schönsten Strecken deines Bundeslandes. Wir haben dich gewarnt: zur Hochsaison bist du da nicht allein … Und dann noch einen kleinen Tipp: »Fahrradreisen.de« bietet die größte Datenbank für Fahrradreisen und ist daher ebenfalls einen genauen Blick wert.

Was die Deutschen wollen, wollen auch andere

Der Hinderungsgrund für die meisten Deutschen ist keineswegs der innere Schweinehund. Viele wollen längst viel häufiger aufs Rad, verzweifeln dabei aber schlicht an den fehlenden Radwegen, die sie mit ihrem Ziel verbinden sollen. Die Radler … Knapp 30 Prozent aller Deutschen setzen sich mind. einmal die Woche aufs Rad. Und es gibt deutlich mehr Drahtesel als Autos. 90 Prozent aller Radstrecken sind dabei bereits durchgängig befahrbar. Wenn das nicht hoffen lässt … Vielleicht ist es an der Zeit, erleichtert und positiv auf diese Angelegenheit zu blicken. Machen wir doch einfach selbst unsere Erfahrungen!

Unsere Bitten an alle, die etwas bewirken können:

Bitte kümmert euch um die Erweiterungen und Verbesserungen der Radwege. Was einschließt, den Platz für alle Radler etwas auszuweiten. Breitere Strecken, die weder von Autos zugeparkt werden können noch unaufmerksame Fußgänger übersehen … Bitte kümmert euch um mehr Sicherheit an kniffligen Stellen, wie Kreuzungen. Das schafft ihr unter anderem mit deutlicheren Beschilderungen und Abgrenzungen. Bitte weitet Servicedienste aus, wozu auch Abstellmöglichkeiten zählen sollten. Und wir brauchen mehr Werkstätten.

Die Transportmöglichkeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln sind ebenfalls ausbaufähig. Dazu fehlen Ladestationen für motorbetriebene Fahrräder. Wir bitten um mehr Verbreitung von Informationen in Form umfassender Kampagnen, die unsere Mitmenschen auf mehr Rücksicht aufmerksam machen. Fahrradfahrer, Fußgänger und Autofahrer sitzen doch alle in einem Verkehrsboot und benötigen mehr Einblick in die Welt des jeweils anderen. Nur so fördern wir die allgemeine Umsicht.

Und was haben letztlich wir alle davon?

Die Umsetzung solcherlei Punkte lockt nicht nur Besucher in unsere Stadt, sondern erleichtert den Alltag sämtlicher Personen, die sich entweder zum Arbeitsplatz oder generell häufig auf dem Fahrrad bewegen – oder endlich bewegen wollen! Wir würden uns über weniger Luftverschmutzung, weniger benötigte Parkplätze und eine höhere Lebensqualität freuen. Außerdem darf man nicht vergessen: Wird den Radfahrern mehr Platz eingeräumt und von politischer Seite mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wird sich das wiederum auf andere Verkehrsteilnehmer auswirken, die uns gerne mal übersehen. Wir könnten Zeitersparnisse durch weniger Blechlawinen verzeichnen. Wie so oft gilt auch hier: Die Masse macht’s. Je mehr sich aktiver durch den Alltag bewegen und die Angebote ihrer Stadt nutzen können, umso größer werden die relevanten Zahlen innerhalb der Statistik und die positive Bilanz eindrücklicher.

Zu guter Letzt

Früher war vieles schön, aber nicht alles besser

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an seine jungen Jahre. Wie man als Kind Mückenlarven in einer Pfütze in Augenschein nahm, auf einem Feld auf Strohballen kletterte oder mit seinem Kinderfahrrad am meisten Spaß empfand, wenn man sich mit seinen Freunden durch unwegsames Gelände kämpfte – man fühlte sich wie ein Held oder Rennfahrer, ja manchmal erfüllte man direkt das Drehbuch der eigenen Fantasie und erlebte ein Abenteuer nach dem anderen. Je älter man wird und sich von seiner Fantasie abnabelt, desto mehr verschlucken einen Pflichtgefühl und Verantwortung. Einem Elternteil wird mit dem eigenen Kind daher wieder etwas zurück geschenkt, was man beim Erwachsenwerden verlor: Denn man darf einen Anteil an der erfrischenden Fantasie seines Kindes haben.

Manche brauchen das gar nicht. Sie haben viel mehr Freude an Ruhe oder ausführlichen Gesprächen mit Gleichgesinnten. Doch ganz gleich, wie der einzelne gestrickt ist, erscheint es uns doch als das Natürlichste, sich von frischer Luft und sattem Grün aktivieren zu lassen. 30 Minuten Bewegung am Tag senkt das Herzinfarkt-Risiko um ganze 50 Prozent! Überall auf der Welt weckt das Fahrradfahren dieselben Assoziationen von Freiheit und Unabhängigkeit. Das Plus an Lebensjahren bekommt jeder Radfahrer gratis dazu … Zu Beginn der Industrialisierung war die Umweltfrage nicht existent. Zum Guten unserer heutigen Zeit zählt die Erkenntnis, alles verlieren zu können – Tierarten, eine gesunde Natur und letztlich eigene Lebensjahre einzubüßen. Unseren Politikern obliegt es, entscheidende Veränderungen herbeizuführen und/oder sie zu unterstützen. Wenn der Erfolg letztlich nicht verfolgt wird, bleiben Anstrengungen aus und man bezweifelt die Ernsthaftigkeit der Machtinhaber.

Wir wollen von Personen geführt werden, die uns Türen öffnen, für die unsere Arme zu schwach sind. Im Gegenzug tun wir unser Möglichstes und erfüllen den Rest. Und wenn nötig, machen wir den ersten Schritt und beweisen, was uns möglich ist. Also auf geht’s! Was sich verbessert, haben wir selbst in der Hand!

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