Welches Bremssystem für mein Fahrrad?

Wer hätte es gedacht: Die Bremse ist eines der wichtigsten Bauteile überhaupt. 1905 wurde vom Briten Frederick W. Lanchester die Scheibenbremse entwickelt und patentiert. Heutzutage ist die Scheibenbremse an den meisten hochwertigen Fahrrädern verbaut und macht die einfache Fahrradtour oder den Downhill-Einsatz zu einem sichereren Unterfangen. Aber auch die klassische Felgenbremse hat sich bis heute wegen ihrer Zuverlässigkeit und Leichtigkeit durchgesetzt.

Wer später bremst, ist länger schnell.

(Autor unbekannt)

Die starke Scheibenbremse

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Mountainbikes und hochwertigere Trekkingräder sind mittlerweile mit einer Scheibenbremse ausgestattet. Diese setzt beim Betätigen nicht an der Felge, sondern an einer mitdrehenden Scheibe, die an der Radachse befestigt ist, an. Bei Nässe ist durch die höhere Flächenpressung eine bessere Bremsleistung zu erwarten als bei der Felgenbremse. Bei langen und steilen Abfahrten werden Felgen und Reifen nicht unnötig erhitzt, somit verhindert man Beschädigungen. Je größer die Bremsscheibe, desto größer die Bremswirkung (180 mm oder 203 mm Scheiben sind Standard). Man unterscheidet zwischen hydraulischen (mit Bremsflüssigkeit) und mechanischen Scheibenbremsen. Bei den mechanischen reagiert die Bremse nicht so direkt und präzise wie bei den hydraulischen. In Zukunft wird die mechanische wahrscheinlich komplett abgelöst und durch das große Angebot auch günstiger im Preis.

Die klassische Felgenbremse

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Bei Trekking- und Rennrädern wird der Bremshebel betätigt und die Bremse setzt an der Felge an. Es gibt Seitenzugbremsen, V-Brakes und Cantileverbremsen. Es wird zudem noch zwischen mechanischer und hydraulischer Betätigung unterschieden. Wird die Felgenbremse ausreichend gepflegt bzw. eingestellt, ist die Bremsleistung einer Scheibenbremse gleicher Preiskategorie überlegen. 

Rennräder sind seit je her mit diesen leichten und zuverlässigen Bremsen ausgestattet. Die Felgen sind beim Rennrad meist aus Aluminium und bei Nässe ist hier die Bremsleistung besser als bei Stahlfelgen. 

Vorteile der Scheibenbremse: 

  • Benötigt weniger Fingerkraft 
  • Felgen werden nicht abgeschliffen oder zu heiß  
  • Bremst besser bei Nässe 
  • Sehr langlebig 

Nachteile der Scheibenbremse: 

  • Empfindlicher beim Transport 
  • Schwerer als Felgenbremsen 
  • Kosten ein wenig mehr  
  • Stärkere Belastung für Naben und Speichen 

Es gibt zwei Befestigungsarten: 

  • IS2000 (6-Loch) – Bremsscheibe wird mit 6 M5 Torx-Schrauben an der Nabe befestigt. 
  • Centerlock (Shimano) – einfaches montieren und demontieren (Wird mit speziellem Verschlussring montiert) 

Hinweis: Für das Centerlock-System braucht man ein spezielles Werkzeug. Bei der IS2000 Befestigung braucht man nur einen Torx-Schraubendreher.  

Bremsbelege für Scheibenbremsen: 

  • Gesinterte Beläge (Sinter Brake Pads): Hitze unempfindlich und lange haltbar. Benötigt aber eine längere Einfahrzeit und die Bremsscheibe wird mehr belastet. 
  • Organische Belege (Resin Brake Pads): Bestehen aus organischen Fasern und Kunstharz. Sie sind geräuscharm und können schnell eingefahren werden.  

Bremsflüssigkeit bei hydraulischen Scheibenbremsen:

Bei hydraulische Bremsen wird die Bremskraft über eine Flüssigkeit auf den Bremskolben übertragen: 

  • DOT (Department of Transportation): Es gibt 4 DOT-Normen (DOT 3, DOT 4, DOT 5 und DOT 5.1) und basieren auf Glykolbasis oder Silikonbasis. Je höher die DOT-Klasse, desto höher liegt die Siedetemperatur und der Nasssiedepunkt. Die Bremsflüssigkeit sollte einmal im Jahr ausgetauscht werden und ist nicht untereinander kompatibel. 
  • Mineralöl: Siede-/Nasssiedepunkt ist niedriger als DOT. Wasser und Mineralöl verbinden sich nicht (nicht hygroskopisch). Die Qualität von Mineralöl bleibt länger konstant und ist somit wartungsärmer. 

Zwei oder vier Kolben?

Die 2-Kolben-Bremse besitzt 2 Bremskolben pro Bremssattel (ein Bremsbelag pro Kolben). Eine gleichmäßige Druckverteilung erzielt die bestmögliche Druckverteilung. Mit 4 Kolben hingegen erzielt man bei gleicher Hebelkraft, logischerweise mehr Bremskraft. Es entsteht eine größere Reibefläche und somit kann eine 2-Kolben-Bremse im Idealfall effektiver bremsen. Wenn ihr z.B. im Downhill-Bereich unterwegs seid und ihr benötigt mehr Bremskraft, dann ist ein Bremssystem mit 4 Kolben hilfreich. Viele Downhillfahrer setzen durch das geringere Gewicht trotzdem auf eine mit 2 Kolben.

Trommelbremse/Rollenbremse

Das Bremsen findet in der Hinterradnabe des Fahrrads statt und wird per Bremshebel betätigt. Durch das geschlossene System wird die Bremswirkung nicht durch Nässe beeinflusst. Diese Art von Bremse ist im Motorrad- und Automobilbereich weit verbreitet. Durch ihr hohes Gewicht findet man sie nur noch selten an modernen Fahrrädern.

Rücktrittbremse

Die meisten von uns sind mit der Rücktrittbremse aufgewachsen. Mittlerweile findet man sie nur noch selten an neuen Bikes. Sie ist zwar wartungsarm und robust aber nicht so zuverlässig wie andere Bremssysteme.

Stempelbremse

Wie ein Stempel, wurde früher ein Metallschuh gegen den Reifen gedrückt um zu bremsen. Durch die Einführung des pneumatischen Reifens wurde die Stempelbremse abgelöst und ist heutzutage Nostalgie.

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