Bikepacking – dem Himmel so nah

(Photo by Marek Piwnicki on Unsplash)

Draußen sein, die Natur genießen unter freiem Sternenhimmel übernachten – so stellen wir uns ein freies Wochenende vor. Wer gerne Wandern geht, der sollte auch mal „Bikepacking“ ausprobieren. Am besten leicht bepackt, nur das absolut notwendigste mitnehmen und sich aufs wesentliche konzentrieren – die Freiheit. 

Beim Weitwandern achtet man grammgenau darauf nicht zu viel zu schleppen. Da werden die Griffe der Zahnbürste gekürzt, um nochmal ein paar Gramm einzusparen oder Feuchttücher getrocknet und später wieder mit Wasser befeuchtet. Was beim Wandern zählt, ist ohne weiteres auch auf die Mehrtages-Tour mit dem Fahrrad anzuwenden.  

Was benötige ich, um Bikepacking zu gehen? 

Im Prinzip brauchst du nur ein Fahrrad und einen Rucksack und den Drang herausgehen zu wollen. Natürlich können wir das Vorhaben auch etwas optimieren und es uns komfortabler machen. Wähle ein Fahrrad, mit dem du dich wohlfühlst und das technisch in einem guten Zustand ist. Auf welchem Untergrund du unterwegs bist, entscheidet oft über die Wahl des Fahrrads und beeinflusst die Planung der Tour. Nehme dir anfangs nicht zu viel vor und teste deine Ausrüstung bei einem kleinen Ausflug. Danach wirst du schnell merken, was du noch optimieren kannst oder welcher Ausrüstungsgegenstand noch mitmuss oder zu Hause bleiben kann.

Bei längeren Touren sollte immer das passende Werkzeug sowie Ersatzteile mitgenommen werden damit die Tour nach halber Strecke schon zu Ende ist. Stelle dir das Set einfach selbst zusammen: Zubehör wie Multiwerkzeug, Ersatzschlauch, Flickzeug, Luftpumpe, Reifenheber, Kabelbinder und Klebeband etc.  

Der klassische Fernwanderer benötigt ca. 35 – 40 l Fassungsvermögen. Und da ist alles mit dabei! Zelt, Schlafsack, Küche, Nahrungsmittel, Wasser und Hygieneartikel. Wer bis zu 5 kg Basisgewicht (also ohne Wasser, Nahrungsmittel und Brennstoffe) auf die Waage bekommt, gilt als Ultraleicht-Wanderer. 

Beim Bikepacking hat man einen entscheidenden Vorteil: Das Gewicht kann auf dem Fahrrad besser verteilt werden und ein paar Gramm hin oder her, machen den meisten Tourengängern nicht viel aus.

Grundsätzlich gibt es 3 Kategorien: 

  • Ultralight: Reduziertes Gepäck auf das absolut notwendigste! 
  • Komfort: Der ein oder andere „Luxusartikel“ darf mit! 
  • Luxus: Ob Survival-Messer oder Säge hier darf alles mit, was Spaß macht 

Welche Transportmöglichkeiten habe ich beim Bikepacking? 

Fahrräder mit Gepäckträger können am meisten Gepäck verstauen. Spezielle Satteltaschen gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen und am wichtigsten ist, sie nicht zu überdimensionieren. Leicht und wasserdicht sollten sie sein.

  1. Seatpacks 
    Für Fahrräder ohne Gepäckträger gibt es Seat Bags, die am Sattel bzw. an der Sattelstange befestigt werden. Diese geben mehr Bewegungsfreiheit und sparen zusätzlich Gewicht. Es gibt sie für bis zu 13 l Packvolumen. 
  1. Framepacks oder Halbrahmentaschen 
    Zwischen Ober- und Unterrohr (im Rahmendreieck) lässt sich ideal eine weitere Tasche anbringen. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass die Maße stimmen, denn jeder Rahmen ist ein wenig anders. Bis zu 6 l lassen sich hier verstauen. 
  1. Frontpacks oder Handlebar-Packs 
    Eine praktische Lenkertasche bietet nochmals bis zu 15 l Volumen um z. B. Schlafsack oder Isomatte zu verstauen. Die wasserdichte Gepäckrolle kann zur ausgeglichenen Gepäck- und Lastenverteilung einfach am Lenker befestigt werden. 

Mit diesen 3 Packmöglichkeiten kommt man so auf ca. 34l Fassungsvermögen und das sollte für eine leichte Bikepacking Tour ausreichend sein. Natürlich könnte man auch noch einen Rucksack mitnehmen aber angenehmer ist ein freier Rücken, gerade im Sommer. 

Bestens ausgerüstet für eine lange Bikepacking-Tour (Photo by Marek Piwnicki on Unsplash)
Bestens ausgerüstet für eine lange Bikepacking-Tour (Photo by Marek Piwnicki on Unsplash)

Grundausrüstung: The Big Three (Die großen Drei) 

Bei Weitwanderern sind Zelt, Schlaf-System (Schlafsack, Isomatte) und Rucksack die schwersten Ausrüstungsgegenstände. Diese 3 sollten so leicht wie möglich sein.  

Richtig schlafen und erholen 

Überlege Dir, wie viel Komfort Du benötigst, ob Du auch mal unter freiem Sternenhimmel übernachten möchtest, in der Hängematte schlafen kannst oder für Dich ein Biwaksack infrage kommt. Auf dem Markt gibt es für jeden Geschmack und für jede Gewichts-/Preisklasse den richtigen Ausrüstungsgegenstand.  

Manchmal ist nach ein paar Tagen in der Wildnis, die “Einkehr” in ein Hotel oder Unterkunft eine willkommene Abwechslung und man schätzt den häuslichen Luxus, mit dem wir uns täglich umgeben ein wenig mehr als zuvor. 

Grundsätzlich sollte dich deine gewählte Outdoor-Unterkunft vor Wind und Wetter schützen, leicht sein und ein kleines Packmaß besitzen. Hier spielen wieder die Jahreszeit und die Region, in die ihr reisen wollt, eine große Rolle. Bei 28 °C im Sommer könnt ihr euer Gepäck dramatisch reduzieren und bei Touren im Winter muss viel mehr mitgeschleppt werden, um euch im Camp warmzuhalten.  

Minimales Gepäck = maximale Freiheit (Photo by Marek Piwnicki on Unsplash)
Minimales Gepäck = maximale Freiheit (Photo by Marek Piwnicki on Unsplash)

Bei den Schlafmatten bzw. Isomatten wählt man zwischen einer aufblasbaren oder einer Schaumstoffmatte. Aufblasbare haben einen größeren „R-Wert“ (Wärmedurchgangswiderstand) und eigenen sich auch für die kälteren Tage. Außerdem sind sie sehr komfortabel und leicht. Man sollte bei dieser Art von Schlafunterlage immer bestens aufpassen, dass sich keine spitzen Gegenstände wie Steine, Wurzeln etc. zwischen Matte und Boden befinden, sonst ist es mit dem Schlafkomfort schnell vorbei. Dafür hat man ein kleines Packmaß (so groß wie eine Kaffeetasse) und die leichteste aufblasbare Unterlage wiegt ca. 395 g mit einem R-Wert von 2,3. 

Schaumstoffmatten sind hingegen eher sperrig und haben einen geringeren R-Wert. Wer lieber Gewicht sparen möchte und auf ein wenig Komfort verzichten kann, der ist mit einer starren Schaumstoffunterlage bestens beraten. Das Gewicht einer 183 x 51 großen Matte beträgt ca. 410 g bei einem R-Wert von 2,6. 

Welcher R-Werte ist der richtige für mich? 

  • 1,0 – 1,5: bis +7 °C – Sommer 
  • 1,5 – 2,5: bis +2 °C – Frühjahr und Herbst 
  • 2,5 – 3,5: bis -5 °C – 3 Jahreszeiten 
  • 3,5 – 4,5: bis -11 °C – Alle Jahreszeiten 
  • 4,5 – 5,5: bis -17 °C – Winter 

Bei der Schlafsackwahl kommt es auf das Gewicht und die Komfort-Temperatur an. Vor einer Tour sollte man das Wetter gut im Auge behalten und dementsprechend planen. Jeder Mensch hat ein anderes Kälte- bzw. Wärmeempfinden und es hängt oft auch von der Kleidung ab, die im Schlafsack getragen wird. Auch die Schlafsackform ist ausschlaggebend. Wer eher friert, greift zum Mumienschlafsack. Dieser liegt eng am Körper an, somit muss weniger Luft erwärmt werden. Beim gelegentlichen Camping im Sommer greift man eher zu einem rechteckigen Schlafsack, den man zu einer Decke umfunktionieren kann, wenn es einem zu warm wird oder wenn Du mit dem Partner unterwegs bist, zum gegenseitigen Wärmen. 

Welcher Schlafsack ist der richtige fürs Bikepacking?

Daunenschlafsäcke sind die leichtesten und haben ein sehr kleines Packmaß bei gleicher Wärmeleistung. Viele Schlafsäcke sind mit Kunstfasern gefüllt die um einiges schwerer sind. Der große Vorteil eines Kunstfaserschlafsacks ist, dass er kaum Feuchtigkeit aufnimmt und wenn er einmal nass ist, weiterhin wärmt und schnell abtrocknet. Wenn die Daunenfüllung einmal nass wird, verliert sie in der Regel die Wärmeleistung und kann verklumpen. In Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit und bei Touren im Winter setzen deshalb viele auf einen Kunstfaserschlafsack.  

Komfort-Temperaturen: 

  • Winterschlafsäcke: -5 °C bis –18 °C 
  • 3-Jahreszeiten-Schlafsack: ab + 10 °C 
Daunensachlafsack vs. Kunstfaserschlafsack
Daunensachlafsack vs. Kunstfaserschlafsack

Unterwegs kochen: die Bikepacking-Küche 

Vom Titantopf bis zum ultraleichten Campingkocher – auf dem Markt gibt es schier unendliche Angebote. Achtet beim Kauf auf ein kleines Packmaß, auf das Gewicht sowie eine Universelle Einsetzbarkeit. Oft genügt eine Möglichkeit, Wasser zu erwärmen, um seine Trekking-Fertiggerichte zu übergießen. Ausgiebig kochen wird man bei einer Mehrtagestour eher selten. 

Unter den Weitwanderern scheiden sich die Geister. Die einen brauchen unbedingt warmes Wasser für den Kaffee am Morgen, die anderen “Coldsoaken”. Darunter versteht man das Einweichen der gewünschten Nahrungsmittel, ohne sie zu erwärmen. Bei den “Coldsoakern” und speziell bei den Thru-Hikern in Amerika, geht es oft um Effizienz und Gewichtsersparnis. Deshalb verzichten manche sogar komplett auf einen Kocher. 

Was gibt es zu essen auf einer Bikepacking Tour? 

Bei einer langen, anstrengenden Tour geht es bei der Nahrungsversorgung hauptsächlich um möglichst wenig Gewicht und maximale Kalorien. Der Kalorienbedarf steigt oft auf mehrere Tausend Kilokalorien pro Tag. Viele wählen nährstoffreiche und dehydrierte Trekkingnahrung die für einen hohen Energieverbrauch konzipiert wurde. Wem das zu teuer ist, der kann seine Mahlzeiten selbst zusammenstellen und dehydrieren. Dann wird das Gericht auf dem Trail nur noch mit erhitztem Wasser übergossen und nach ca. 5-10 min ist das Essen angerichtet. Zusätzlich sorgen Snacks wie Nüsse, getrocknete Früchte und Snackbars für einen guten Energieausgleich. 

Starte mit einem energiegeladenen Frühstück am morgen (Photo by Marek Piwnicki on Unsplash)
Starte mit einem energiegeladenen Frühstück am morgen (Photo by Marek Piwnicki on Unsplash)

Wie versorge ich mich mit ausreichend Flüssigkeit beim Bikepacking? 

Die tägliche Flüssigkeitszufuhr wird oft unterschätzt. Der menschliche Körper braucht ca. 2,5 l am Tag. Bei großer Anstrengung sogar mehr. Ca. 3-4 Tage kommen wir ohne Wasser aus, danach wird’s kritisch. Der Transport von Wasser ist beim Backpacking ein großer Gewichtsfaktor. Möglichkeiten nachzufüllen sollten daher genau in einer Tour eingeplant werden. Quellen, Bäche oder Brunnen sind nicht immer verfügbar oder das Wasser ist nicht sofort trinkbar. Es gibt viele Optionen, Wasser trinkbar zu machen. Wasserfilter, Wasseraufbereitungstabletten und dann könnte man das Wasser noch vor dem Trinken abkochen, um es genießbar zu machen.

Wo befestige ich meine Trinkflaschen am Fahrrad? 

Standardmäßig werden die Trinkflaschen im Rahmendreieck gefestigt. Falls das Bike schon mit verschiedenen Taschen ausgerüstet ist, kann das zu einem Problem führen. Flaschenhalter und Framepack passen nicht immer zusammen. Möchte man die Flaschen im Rahmendreieck transportieren, dann sollte man genau auf die Maße achten damit beides kompatibel ist. Mit einer Halbrahmentasche und 2 montierten Flaschenhaltern kommt man so auf 2 x 0,75 l. Es gibt viele verschiedene Halterungen und Möglichkeiten und manchmal muss man ein wenig basteln. Ob man sie nun im Rahmendreieck, an der Sattelstange oder an der Gabel befestigt, muss man individuell und je nach Model entscheiden.

Bikepacking mit dem E-Bike 

Je nach Modell sind E-Bikes ideale Begleiter für lange und bergige Touren. Einschränkungen gibt es nur, wenn auf langen Etappen keine Stromquellen zum Laden zur Verfügung stehen oder ein klobiger Akku den Platz für das Anbringen von Taschen minimiert. Je nach Modus können mit einer Akkuladung bis zu 80 km erreicht werden. Wer dennoch längere Passagen überbrücken möchte, kann sich für einen zusätzlichen Akku entscheiden. Dieser kann im Gepäck oder am Fahrrad montiert werden und verdoppelt somit die Reichweite Deines E-Bikes. Zudem bietet es sich an, ein Schnellladegerät mitzuführen, mit dem Ihr den Akku in ca. 3 Stunden aufladen könnt. 

E-Bike Ladestationen & Akku Reichweiten

Mittlerweile gibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz viele E-Bike-Ladestationen an denen das Fahrrad wieder aufgeladen werden kann. Diese Stationen findet Ihr vermehrt bei Tankstellen, Restaurants, Museen, Rathäusern und öffentlichen Plätzen. Dort kannst Du dann ganz gemütlich das Bike laden und in der Zwischenzeit die Gegend erkunden. 

Bosch-Akku-Ladezeiten im Überblick: 

  • PowerPack 300: ca. 2,5 Stunden 
  • PowerPack und PowerTube 400: ca. 2,5 Stunden 
  • PowerPack und PowerTube 500: ca. 3 Stunden 
  • PowerTube 625: ca. 3,7 Stunden 

Mit dem Bosch Reichweitenrechner kannst Du die maximal erreichbare Entfernung ziemlich genau vorhersagen.

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